Runder Tisch zum Onlinehandel mit Tieren

Tierschützer fordern: „Plattformen müssen Verantwortung übernehmen“
 
Die Tierschutzorganisationen Deutscher Tierschutzbund, PETA, Pro Wildlife und VIER PFOTEN haben die Betreiber von Online-Kleinanzeigenportalen aufgefordert, dem Schutz von Tieren oberste Priorität einzuräumen. Solange der Onlinehandel mit Tieren gesetzlich zulässig sei, läge es in der Verantwortung der Plattformen, unter anderem den illegalen Tierhandel, den Handel mit Qualzuchten jeglicher Art sowie den Handel mit lebenden Wildtieren auf ihren Seiten zu unterbinden. Aber auch Produkte und Verkaufswege, die Tierleid erzeugen, wie der Versand lebender Tiere oder der Verkauf von tierschutzwidrigem Zubehör oder Echtpelz, dürften in der Debatte nicht vergessen werden. Bei einem Runden Tisch waren die Organisationen heute mit den Plattformenbetreibern Kleinanzeigen, Deine Tierwelt, Snautz, Edogs und Honestdogs sowie der Bundestierschutzbeauftragten Ariane Kari und den Landestierschutzbeauftragten aus Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie Vertreterinnen der Tierärzteverbände zusammengekommen, um die Problemfelder zu erörtern und Lösungsansätze aufzuzeigen. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben auch vom Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt), dem Bundesverband Tierschutz (BVT) und dem International Fund for Animal Welfare (IFAW).
 
Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund: „Solange die Plattformbetreibenden es ermöglichen, dass Tiere online angeboten und gekauft werden, ermöglichen sie spontane und unüberlegte Tier-Anschaffungen. Wenn Sicherheitsmaßnahmen wie eine Identitätsprüfung der Verkäufer fehlen, öffnen die Plattformen auch dem illegalem Tierhandel Tür und Tor. Sie verantworten damit erhebliches Tierleid und vermeidbare Probleme, die auch auf die uns angeschlossenen und bereits überlasteten Tierheime zurückfallen. Bis ein längst überfälliges gesetzliches Verbot oder zumindest eine Einschränkung des Onlinehandels mit Tieren kommt, müssen die Plattformbetreibenden selbst den Schutz der Tiere sicherstellen.“
 
Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA Deutschland: „Der Onlinehandel mit fühlenden Lebewesen floriert massiv. Auf den größten Plattformen werden monatlich etwa 20.000 Welpen angeboten - viele von ihnen stammen von kriminellen Händler*innen. Doch nicht nur Hunde sind vom Onlinehandel stark betroffen, sondern unzählige weitere Lebewesen. Das muss endlich gestoppt werden. Wir fordern daher ein dringendes Verkaufsverbot von Lebewesen im Internet.“
 
Katharina Lameter, Kampaignerin bei Pro Wildlife: „Im Internet können Wildtiere wie Karakal, Papagei, Python, Fisch, Vogelspinne & Co. schnell und einfach gekauft werden. Sowohl aus Tier- als auch aus Artenschutzsicht ist das hoch problematisch: Zum einen sind keine Vorkenntnisse nötig und Informationen über die Bedürfnisse der Tiere fehlen häufig – Haltungsfehler sowie das Aussetzen oder die Abgabe von Tieren sind da vorprogrammiert. Zum anderen ist eine Überwachung der Angebote durch die Behörden nicht möglich. Der Online- und Versandhandel mit Wildtieren muss daher sofort beendet werden.“
 
Stefanie Köppl, Referentin für Bundespolitik bei VIER PFOTEN: „Beim Onlinehandel mit Tieren stellt besonders die Anonymität eines der größten Probleme dar. Im Kampf gegen den illegalen Tierhandel ist es notwendig, dass Tiere nur dann auf Online-Plattformen verkauft werden dürfen, wenn die Identität ihrer Anbieter*innen validiert wurde. In Kombination mit einer gesetzlich eingeführten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht wären aktuelle und vergangene Halter*innen eindeutig zuzuordnen. Zudem sind die beliebtesten Tiere auf Online-Plattformen häufig zu den Qualzuchten zu zählen. Dem sollten die Plattformen einen Riegel vorschieben, indem sie qualgezüchtete Rassen auf eine Blacklist setzen. Tiere, die als Qualzuchten gelten, leiden oft ein Leben lang und wir sehen hier nicht nur den Gesetzgeber, sondern auch die Plattformen in der Pflicht, dieses Leid zu beenden.“
 
Ariane Kari, Beauftragte der Bundesregierung für Tierschutz: „Der heutige Termin war wichtig. Denn auch, wenn der aktuelle Referentenentwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes positive Aspekte in Bezug auf die Regulierung des Onlinehandels enthält, ist dieser nicht weitgehend genug, um den vielfältigen Tierschutzproblemen des Onlinehandels mit Tieren entgegenzuwirken. Denn beispielsweise würden Tierkäufe über Social Media durch den bisherigen Entwurf nicht erfasst, sind aber relevant. Aber auch weitere inhaltliche Ausgestaltungen sind notwendig, hier muss politisch nachgebessert werden! Tierschutz ist seit mehr als zwanzig Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert und der Schutz der Tiere muss gesellschaftlich getragen werden. Ich sehe Verantwortung den Tieren gegenüber also auch bei den Onlineplattformen.“
 
Nach dem Termin zeigten sich die Tierschutzorganisationen zuversichtlich, dass der konstruktive Austausch fortgesetzt werde. Sie erwarten, dass weitere Fortschritte im Sinne des Tierschutzes gemeinsam mit den Plattformbetreibern gemacht werden können – bis die Politik bindende Vorschriften für den Onlinehandel mit Tieren schafft. Enttäuscht zeigten sich die Tierschützer jedoch über das Fernbleiben einiger anderer großer Plattformbetreiber wie Terrraristik.com, Markt.de, Quoka, Facebook, Tiktok und Instagram. Sie reagierten nicht auf die Einladung zum Runden Tisch, was an ihrer Bereitschaft Verbesserungen zum Wohl der Tiere einzuführen, zweifeln ließe, so die Organisationen.

Quelle Text/Bild: Deutscher Tierschutzbund e.V.