Illegaler Heimtierhandel bleibt großes Tierschutzproblem

Der illegale Handel mit Heimtieren bleibt auf einem hohen Niveau, wie die aktuelle Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes für das Jahr 2023 zeigt. Betroffen waren mindestens 731 Tiere - darunter überwiegend Hunde - in 221 aufgedeckten Fällen. Mit einem Rückblick auf die Zahlen der vergangenen zehn Jahre belegt der Deutsche Tierschutzbund zudem, dass der illegale Heimtierhandel seit vielen Jahren ein massives Tierschutzproblem ist: Über 1.400 Fälle mit knapp 21.000 geschmuggelten Tiere hat der Dachverband der Tierheime in dieser Zeit dokumentiert. Neben den bekannt gewordenen Fällen ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die Folgen des Tierhandels, insbesondere über das Internet, schultern vor allem die Tierheime. Um diese zu entlasten und das Tierleid einzudämmen, fordert der Deutsche Tierschutzbund entscheidende Nachbesserungen im Tierschutzgesetz.
 
„Rein rechnerisch wurde in den vergangenen zehn Jahren etwa jeden dritten Tag ein Fall von illegalem Tierhandel in Deutschland aufgedeckt. Vor allem Hunde- und Katzenwelpen, die viel zu früh von ihrer Mutter getrennt werden, sind betroffen. Da die Welpen meist unter tierschutzwidrigen Bedingungen aufwachsen und weder menschliche Fürsorge erfahren noch tiermedizinisch betreut werden, sind sie fast immer krank und leiden massiv unter den Strapazen des Transports“, sagt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
 
Überwiegend Hunde geschmuggelt

Unter den 731 illegal transportierten Tieren befanden sich im letzten Jahr alleine 629 Hunde, darunter vor allem Rassehunde, wie Malteser, Zwergspitz oder Französische Bulldogge. Anders als vor einigen Jahren wurden vermehrt Einzeltiere geschmuggelt und als Privatverkäufe getarnt. Die kontrollierenden Behörden konnten auch 56 Katzen und 46 Tiere anderer Arten – Alpakas, Stachelschweine, verschiedene Vogelarten sowie ein Parmawallaby und einen Rothandtamarin - beschlagnahmen. Wie bereits im Vorjahr kamen die meisten Fälle in Bayern, Berlin und Sachsen ans Licht. Die Tiere stammten in erster Linie aus osteuropäischen Ländern –  am häufigsten und das achte Mal in Folge, aus Rumänien.
 
Anhaltende personelle und finanzielle Belastung für Tierheime

Um die Betreuung und Versorgung beschlagnahmter Tiere aus illegalem Handel kümmern sich die örtlichen Tierheime. Dabei entstehen den Heimen hohe Kosten, die die Behörden in vielen Fällen nicht kostendeckend erstatten. Die Kosten, um eine illegal gehandelte Katze oder einen Hund unterzubringen und zu pflegen, beliefen sich im Jahr 2023 auf durchschnittlich 25 Euro pro Tag. Da die Tierheime angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen und durch vermehrte Tierabgaben zu kämpfen haben, müsse die vermeidbare zusätzliche Belastung durch den illegalen Welpenhandel endlich unterbunden werden, so der Deutsche Tierschutzbund. Der Verband fordert daher länderübergreifende Maßnahmen, um den Welpenhandel effektiv einzudämmen: „Es braucht ein Verbot, mindestens aber eine gesetzliche Regulierung des Onlinehandels mit Tieren. Für einen Identitätsnachweis der Verkäufer reicht es da nicht, wenn sie lediglich Name und Anschrift angeben müssen, wie es der Entwurf für das neue Tierschutzgesetz vorsieht“, sagt Zeller. „Zudem wäre eine Verpflichtung zur Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen essentiell, ist aber bisher im Gesetzentwurf nicht direkt vorgesehen. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf.“ Außerdem seien vermehrte Kontrollen sowie härtere Strafen für die Händler von Nöten, so der Tierschutzbund.

Quelle Text: Deutscher Tierschutzbund e.V. / Bild: Armin Lerch